| Grußwort der Schirmherrin
Bischöfin Maria Jepsen:
„Ich habe gerne und ohne zu zögern die Schirmherrinschaft für das Stolperstein-Projekt übernommen, weil ich es wichtig finde, die Menschen vor dem Vergessen zu bewahren, deren Leben durch den NS-Terror vernichtet wurde. Lange Zeit ist aus unterschiedlichen Gründen darüber geschwiegen worden, dass auch homosexuell lebende Menschen verfolgt wurden. Es ist dringend an der Zeit, auch diese Facette nationalsozialistischen Mordens ans Licht zu bringen und die Opfer öffentlich zu betrauern.
Warum habe ich eine Patenschaft übernommen?
Rainer Jarchow:
„Für mich gab es zwei Gründe, die Patenschaft für einen Stolperstein zu übernehmen: Ich finde es wichtig, die zahllosen Opfer aus der Anonymität zu holen, ihnen ihren Namen zurückzugeben und ihren Ort im Leben. Und zum anderen dürfen wir Schwule bei aller heutigen Selbstverständlichkeit nicht vergessen, wie es war und woher wir kommen.“
Michael Hartleben für den SLW Hamburg e.V.:
„In dem Bewusstsein, dem Vergessen dieser Schreckenszeit für Homosexuelle entgegenzuwirken, hat der Vorstand des SLW die Patenschaft für einen Stolperstein in Gedenken an Carl Bruns, einem Hamburger Kaufmann und Tuchhändler, übernommen.“
Bernd Kielmann:
„Sehr gerne übernehme ich die Patenschaft für Hans Lewens. Zumal ich mit der Neustadt intensive Kindheits- und Jugenderinnerungen habe, da meine Mutter in den Hütten geboren wurde. Später wohnte dort noch mein Onkel. Mit meinem Cousin hatte ich dann eine Art Vor-Coming-out. Später sammelte ich meine ersten echten schwulen Kontakte am Alten Steinweg in einem der ersten schwulen Lichtspielhäuser namens New Man:-).“
Lutz Kretschmann-Johannsen, MdHB, für die SCHWUSOS :
„Wir, die lesbischen und schwulen Sozialdemokraten, erinnern jedes Jahr im KZ-Neuengamme an die Verfolgten und Ermordeten Schwulen und Lesben des Naziregimes. Es ist uns ein sehr großes Anliegen, die Erinnerung daran wach zu halten, dass Lesben und Schwule unter den Nazis mit dem „rosa Winkel“ gekennzeichnet, verfolgt und ermodert wurden.
Das Schicksal der Verfolgten von damals ist für uns Verpflichtung zum Engagement für Toleranz und Akzeptanz heute. Deshalb unterstützen wir das Projekt Stolpersteine. Es schafft vor Ort, mitten im Alltag, einen Anlass, im täglichen Leben inne zu halten und den Menschen, die unsägliches Leid erfahren haben, zu gedenken.“
Dr. Hans Ramm:
„Ich möchte durch meine Patenschaft für Johannes Lehnau auf Obdachlose aufmerksam machen. Diese Verfolgtengruppe des NS-Regimes ist in Vergessenheit geraten und hat keine Lobby. Zudem weiß ich von meiner Arbeit als Student im AK Ochsenzoll, der früheren ‚Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn‘, dass von dort Tausende Menschen in Tötungsanstalten abtransportiert wurden. Es ist ein Skandal, dass heute nichts an diese dunkle Zeit erinnert. Übrigens gibt es auch heute noch schwule Obdachlose – ein Tabuthema für die schwule Community.“
Peer-Olaf Richter:
„Heute halten viele Schwule die gesellschaftliche Gunst, die uns mal mehr und mal weniger zuteil wird, für selbstverständlich. Wir sollten nicht vergessen, wie mürbe und dünn das zivilisatorische Netz ist, das die Kräfte des Terrors und der gewaltsamen Diskriminierung in unserer Welt in Schach hält. Deshalb sollten alle NS-Opfer einen Stolperstein bekommen.“
Thomas Rikkers:
„Bei unserer Hochzeitsfeier beschimpfte uns vor dem Hamburger Rathaus ein ca. 80-Jähriger als perverse Schweine und schrie, ‚so etwas hätte es unter Hitler nicht gegeben‘. Diese Verachtung veranlasste mich dazu, eine Patenschaft zu übernehmen. Es darf nie wieder zu einer Verfolgung von uns Schwulen kommen.“
Michael Scheler:
„Da ich die künstlerischen Nachlässe der Fotografen Herbert List und Max Scheler betreue, war mir klar, dass ich für den ermordeten Hamburger Fotografen H. P. Roth einen Stolperstein stifte. Er soll mich daran erinnern, dass es viele Schwule gegeben hat, die dem Terror des Dritten Reiches nicht entkommen konnten.“
Rüdiger Trautsch:
„Schon als Jungschwuler hatte ich kein Verständnis dafür, dass mein Liebesbegehren als kriminell aufgefasst wurde. An ‚gutbürgerlich-hanseatischen‘ Cafétischen erfuhr ich noch Ende der 60er-Jahre von den Ängsten und gerichtlichen Verfolgungen einiger älterer Homosexueller. Später wurde ich anlässlich einer Volkshochschul-Veranstaltung mit Männern konfrontiert, die in der Nazi-Zeit als Schwerverbrecher im KZ mit dem Rosa Winkel stigmatisiert wurden und keine Wiedergutmachung erhalten haben. Spätestens jetzt etablierte sich meine Wut über die schmerzliche Ungerechtigkeit gegenüber meinen schwulen Artgenossen. Deshalb ist es mir ein Anliegen durch Stolpersteine an die von den Nazis ermordeten Homosexuellen öffentlich und dauerhaft zu gedenken.“
Stephan von Dreusche:
„Ich finde die Stolperstein Aktion sehr gut und unterstützenswert. Ich lebe als Deutscher im Ausland und mir begegnen immer wieder Gedenktafeln, die an einzelne Opfer des Naziterrors erinnern, deshalb ist es wichtig, dass auch in Deutschland konkrete Personen und Orte festgemacht werden, an denen das Grauen geschah, nur so können nachfolgende Generationen zumindest wissen: es ist auch HIER an diesem Ort geschehen. Dies gilt im Speziellen für die verfolgten Homosexuellen, die als eher ungeliebte Minderheit besonders gern vergessen werden.“
Gustav Peter Wöhler:
„Auch die Toten brauchen jemanden, der sich um sie kümmert und an sie erinnert. Gerade uns Schwulen fehlt häufig der Blick auf die Geschichte. Deshalb bin ich Pate geworden.“
Auf der Seite zur Ausstellung können Sie auch einige Kommentare aus dem Gästebuch nachlesen.
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