Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer

Zum Tode von Bernhard Rosenkranz

Bernhard Rosenkranz im Januar 2007 anlässlich der Verleihung des ‚Goldenen hinnerks’ für das Engagement des Jahres 2006.
Foto: Stephan Pflug/hinnerk

Am 26. Februar 2010 verstarb der Hamburger Autor Bernhard Rosenkranz nach schwerer Krankheit im Alter von 50 Jahren.

1959 in Hamburg geboren, arbeitete der studierte Diplom-Ökotrophologe von 1985 bis 2000 in der Verbraucher-Zentrale Hamburg als Leiter der Abteilung Verbraucherschutz. Bereits in dieser Zeit schrieb er zahlreiche Broschüren und Sachbücher zu Themen des Verbraucherschutzes im Rowohlt-, Germa-Press- und Behr’s Verlag.

Nachdem eine schwere Erkrankung ihn in den vorzeitigen Ruhestand zwang, nutze er die ihm verbliebene Kraft zur Beschäftigung mit der Geschichte der Homosexuellen in Hamburg. 2005 erschien unter dem Titel „Hamburg auf anderen Wegen“ eine gemeinsam mit Dr. Gottfried Lorenz verfasste umfangreiche Studie zur Geschichte des schwulen Lebens in der Hansestadt im Verlag der Lambda Edition.

Anfang 2006 gründete er dann mit Ulf Bollmann die Initiative „Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer“. Die weit über die schwul-lesbische Szene hinaus anerkannte Arbeit der Initiative führte zur Aufarbeitung von fast 300 Schicksalen aus der NS-Zeit, für die Stolpersteine in Hamburg verlegt werden. Die Arbeit der Initiative führte zu der vielbeachteten Ausstellung „Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg 1919–1969“, die außer in Hamburg auch in Bochum und Berlin gezeigt wurde. Eine weitere, gleichnamige Veröffentlichung zu diesem Thema erschien 2009.

Dem Opernliebhaber Bernhard Rosenkranz war es auch ein Bedürfnis, das Thema der Homosexuellenverfolgung auf die Bühne zu bringen. In Kooperation mit der Hamburgischen Staatsoper wurde 2007 das Theaterstück „Das Oberlicht. Zur Verfolgung homosexueller Männer“ aufgeführt, das er zusammen mit dem Gestalttherapeuten Folkert Bockentien schrieb. Ein vergleichbares Stück zur Verfolgung lesbischer Frauen wurde 2009 schon ohne die Anwesenheit Rosenkranz’ aufgeführt. Eine notwendig gewordene Herztransplantation zwang ihn ins Krankenhaus.

Anfang April wäre auch ihm, zusammen mit den anderen Autorinnen und Autoren der Stolperstein-Broschüren der Landeszentrale für politische Bildung, die Lappenberg-Medaille des Vereins für Hamburgische Geschichte für die herausragende historische Arbeit verliehen worden. Infektionen in Folge seiner schweren Operation, die im vergangenen April zunächst so hoffnungsvoll glückte, lassen ihm diese Ehrung nunmehr nur noch postum zukommen.

Mit dem Lebensgefährten von Bernhard Rosenkranz trauern in Hamburg viele Freunde um einen engagierten Mitstreiter und einmaligen Menschen.

Ulf Bollmann

Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer So lautet eine Initiative von Ulf Bollmann (Hamburger Staatsarchiv) und Bernhard Rosenkranz, einem der Autoren des Buches „Hamburg auf anderen Wegen“ (jetzt in 2. Auflage erhältlich). In den nächsten Monaten sollen die Homosexuellen, die in Hamburg während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden, ihre Namen symbolisch zurückerhalten. Dafür verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig so genannte Stolpersteine (Homepage für alle Steine in Hamburg:  www.stolpersteine-hamburg.de ). Die Schirmherrinschaft über die Hamburger Stolpersteine für alle Verfolgtengruppen hat Bischöfin Maria Jepsen übernommen.

Am 20. Januar 2007 wurden Bernhard Rosenkranz und Ulf Bollmann für ihre Initiative „Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer“ vom schwulen Hamburger Stadtmagazin hinnerk mit dem „Goldenen hinnerk“ für das Engagement des Jahres 2006 ausgezeichnet.

Die Initiatoren: „Das ist eine Würdigung unserer Arbeit für die Aufarbeitung der schwul-lesbischen Geschichte Hamburgs in der NS-Zeit. Unsere Arbeit wäre ohne die Unterstützung durch Bischöfin Maria Jepsen, der Stolperstein-Paten und vieler weiterer engagierter Personen nicht so erfolgreich. Dafür möchten wir uns bei allen bisherigen Unterstützern bedanken.“

Stolpersteine sind 10 x 10 cm große, mit Messingschildern versehene Betonsteine, die im Straßenpflaster vor den Häusern eingesetzt werden, in denen das jeweilige NS-Opfer seinen letzten Wohnsitz besaß. Sie tragen die Namen dieser Person, das Geburts- und Sterbedatum sowie die Vernichtungsstätte. Sie sind eine Ergänzung zu der Gedenkstätte für homosexuelle NS-Opfer im ehemaligen KZ Neuengamme und dem in der Planung befindlichen zentralen Homo-Mahnmal in Berlin, da sie uns direkt vor unserer Haustür an das Schicksal der Verfolgten erinnern.

Gunter Demnig setzt einen Stolperstein einBis heute hat Demnig rund 17.000 Steine in 400 Städten verlegt, davon rund 2.500 in der Hansestadt. Seit 2004 bis heute wird in Hamburg an 150 homosexuelle NS-Opfer erinnert, für weitere gut einhundert Schicksale werden die Stolpersteine noch verlegt werden. Gunter Demnig über seine Arbeit: „Es ist ein Denkmal von unten. Es wird von der Bevölkerung geschaffen. Für mich ist es ganz wichtig, dass die Namen zurückgebracht werden, dorthin, wo diese Menschen ihr Zuhause hatten. Im KZ waren sie lediglich eine Nummer, die im Unterarm eintätowiert war.“ Bis auf die Verlegung der Steine liegt die Vorbereitung der Aktion bei den Bürgern. Erst wenn es Paten für die NS-Opfer gibt und die Lebensdaten der Personen recherchiert sind, beginnt die Arbeit Demnigs mit der Herstellung und der Verlegung der Steine.

Paten gesucht – 95 Euro gegen das Vergessen! Für einmalig 95 Euro (Spendenbescheinigung) kann jeder Einzelne oder jede Gruppe dafür sorgen, dass ein Stolperstein verlegt wird. Firmen, Nachbarn, Wohngemeinschaften, Kollegen, Sportgruppen oder gayromeo-Favoriten sind nur einige Beispiele für Patengemeinschaften. Das Ziel, an alle homosexuellen NS-Opfer durch Stolpersteine zu erinnern, können wir durch gemeinsames Engagement in der schwulen Community erreichen! Interessenten für eine Patenschaft können weitere Informationen per eMail abfragen.

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